Bilder sagen manchmal mehr aus als Worte – Interview Petra Hartwigsen

ZOCD: Liebe Frau Hartwigsen, stellen Sie sich kurz vor.

Petra Hartwigsen: Zu mir möchte ich nur kurz sagen, dass ich verheiratet bin und 2 inzwischen erwachsene Kinder habe.

ZOCD: Sie schreiben auf ihrer Homepage www.farbenmeer-galerie.de, dass sie mit ihrer Kunst eine Aussage gegen die Christenverfolgung treffen wollen. Was bewegt Sie dazu?

Petra Hartwigsen: Als Christ bin ich davon überzeugt, dass Gott uns unsere Begabungen schenkt, uns die Augen für Notlagen öffnet und uns damit befähigt bestimmte Aufgaben zu übernehmen.

In den letzten Jahren ist der Drang immer stärker geworden, auf die weltweit zunehmende Verfolgung von Christen, die unfassbare Dimensionen erreicht hat, aufmerksam zu machen. Wer sich näher mit dem beschäftigt, was Christen in dieser Welt erleiden müssen, steht dem fassungslos, wütend und leider auch hilflos gegenüber. Fassungslos bin ich allerdings auch hinsichtlich der Mauer des Schweigens und der Verharmlosung hier in Deutschland. Es werden vereinzelt Stimmen laut und auch in den Medien wird endlich berichtet, aber das was dort gezeigt wird, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Auch die Situation in unserem Land macht mir zunehmend Sorgen. Christenverfolgung ist leider auch hier zur Realität geworden. Es werden asylsuchende Christen bedroht und auch Menschen, die zum Christentum konvertiert sind. Es gibt Brandstiftungen in Kirchen und Zerstörungen. Wehret den Anfängen kann ich hierzu nur sagen.

Ich möchte, dass meine Kinder in einem Land leben, welches Werte wie Religionsfreiheit und die freie Meinungsäußerung hoch hält. Mit anderen Worten in einer Demokratie. Ideologien, seien sie nun religiös oder politisch motiviert, die nichts und niemanden neben sich stehen lassen, haben hier nichts verloren.

ZOCD: Wie lassen sich diese Aspekte in ihren Kunstwerken wiederfinden?

Petra Hartwigsen: Wenn ich male, stelle ich mir bei jedem Bild vor, was die Menschen empfinden, wenn z.B. ihre Töchter entführt oder die eigenen Kinder getötet werden. Welche Angst, welche Verzweifelung und welche Hoffnungslosigkeit muss von ihnen Besitz ergreifen. Jeder, der Kinder hat und diese liebt, kann das sicher nachempfinden.

ZOCD: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Petra Hartwigsen: Ich wünsche mir, dass die Christen sich genauso offensiv für Ihre Geschwister einsetzen, wie es die Eziden tun. Das Schweigen, welches zum Thema Christenverfolgung immer noch herrscht, muss gebrochen werden. Etwas, was mir hierzu im wahrsten Sinne des Wortes auf der Seele brennt, ist, dass die Christen (genauso wie in Ägypten) eine Einheit bilden. Es ist nicht wichtig, welcher Denomination wir angehören, sondern, dass wir für unsere Geschwister, die Welt und dieses Land beten und die Liebe Jesu, die für alle Menschen gilt, weitergeben. Genauso wichtig ist es aber auch, dass wir auf die Straße gehen. Mit anderen Worten ich wünsche mir, dass die Christen in diesem Land offensiver werden.

In Stuttgart werden bei Märschen für verfolgte Christen meine Bilder als Plakate durch die Straßen getragen und es wäre schön, wenn sie auch für andere Veranstaltungen, die verfolgte Christen im Blick haben, genutzt werden. Auch Wanderausstellungen könnte ich mir vorstellen, wenn der Transport organisiert wird.

Wie wäre es denn mit einer Ausstellung nebst Musik und Vorträgen von christlichen Hilfswerken und Betroffenen im Bundeskanzleramt oder im Schloss Bellevue? Das ist natürlich Zukunftsmusik, aber es würde mir zeigen, dass das Thema endlich ganz oben angekommen ist und ernst genommen wird.

ZOCD: Wo finden Sie Inspiration zu ihren Werken?

Petra Hartwigsen: Inspiration finde ich in den Gebetsanliegen, die viele christliche Organisationen veröffentlichen. Besonders aber auch auf Tagungen und Kongressen, da hier Betroffene Einblicke in die Situation in ihren Heimatländern geben.

Ein Beispiel hierzu möchte ich nennen: So hat während der Tagung „Christenverfolgung heute“, 2013 auf dem Schönblick in Schwäbisch Gmünd, ein ägyptischer Pastor davon berichtet, dass die Christen auf die Mauern ihrer niedergebrannten Kirchen „wir vergeben Euch“ schreiben. Zusätzlich hat er gezeigt, dass in der Felsenkirche Christen aller Denominationen gemeinsam nach Jesus schreien. In dem Moment wusste ich, dass ich ein bestimmtes Bild malen muss. Es sollte ein Bild sein, welches nicht die Verfolgung, so wie bisher, in den Vordergrund stellt, sondern Jesu Liebe und Vergebung. Das ist es, was diese Welt so dringend braucht. Eine Kopie dieses Bildes befindet sich in Ägypten. Die Verfolgten bitten um unser Gebet und meine Bilder sind meine Form des Gebets. Eine Möglichkeit den Verfolgten eine Stimme zu geben.

ZOCD: Wo können wir ihre Werke bewundern und anschauen?

Petra Hartwigsen: Eine Planung für 2015 steht noch nicht fest, aber wenn ich wieder auf dem Kongress für verfolgte Christen in Schwäbisch Gmünd ausstellen darf, werde ich das tun.

Eines meiner Bilder ist in der Pfarrkirche „Unsere Liebe Frau“ in Fürth zu besichtigen.

Ansonsten finden Sie Ausstellungstermine, sobald sie feststehen, auf meiner Homepage.

Quelle: Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland (ZOCD)

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